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Tag 1

Jede Geschichte braucht einen Helden - oder mehrere. Ich habe lange überlegt und bin zur Überzeugung gekommen, dass ein Team die beste Idee ist, um viele Ideen und Charaktere in die Geschichte einzubringen. Das gibt Konflikte, Scherze und viel Aktion. Allerdings braucht solch ein Team auch einen Anführer. Das ist Hansen.

Auf den ersten Seite stelle ich ihn in einer Action-Szene vor, die zeigt, dass er viel Erfahrung in Afghanistan gesammelt hat. (Für deutsche Soldaten ist das sicher die spektakulärste Art, Kampferfahrungen zu machen.) Also, schaut Euch die erste Szene an und lasst mich hören, was Ihr davon haltet.   


PROLOG

Hansen hörte sie zuerst. Im Gegensatz zu den anderen, die Granate ein wenig später bemerkten, reagierte er sofort. Seit vier Jahren hing sein Leben davon ab, dass er sofort reagierte.

»Granate!«, brüllte er und hechtete zu einem der Unterstände, die für genau diesen Fall überall auf dem Stützpunkt zu finden waren.

Mit seinem Warnruf setzte der Drill bei der Gruppe ein. Vier Männer und eine Frau suchten sofort in Fuchslöchern und hinter Sandsäcken Schutz. Hansen selbst, der am weitesten von den Gebäuden entfernt war, brauchte einen Bruchteil einer Sekunde länger als die anderen, um in Deckung zu gehen. 

Das genügte.

Die Explosion der Granate riss ihn von den Beinen, schmetterte ihn auf den Boden und fegte dann brutal über ihn hin weg. Steinsplitter bohrten sich in seinen Rücken. Dann spürte Hansen hilfreiche Hände, die ihn packten und ihn hinter eine Barrikade aus Sandsäcken zogen.

Als sich Hansen aufsetzte, sah er gefechtsbereite Soldaten an ihm vorbeilaufen. Aber warum konnte er den Alarm nicht hören? Er schüttelte den Kopf, um das taube Gefühl auf seinen Ohren loszuwerden, aber ohne Erfolg. Als er die besorgten Blicke von zwei Soldaten aus seiner Grund sah, wurde ihm schlagartig bewusst, dass er einen Knallschaden hatte. Er würde wohl erst in ein paar Stunden wieder hören können. Bis dahin würde er … Verdammt, was war das? Er hatte sich hochrappeln wollen, aber ein stechender Schmerz in seinem Rücken stoppte ihn.

»Natürlich …«, murmelte er. 

Mit langsamen Bewegungen knöpfte er die Jacke seines Kampfanzugs auf und ließ sie von seinem Rücken gleiten. Der Blick, mit dem er die Soldaten seiner Gruppe dabei ansah, verhieß unanständig grausame Folter für alle, die es wagten, ihm zu helfen. 

Er hatte nur ein paar Splitter abbekommen, mehr nicht.

Hansen war gut darin, Schmerzen zu ignorieren, und schließlich hatte er es geschafft. Er hielt seine Kampfjacke in die Sonne und stöhnte auf. Er zählte sechzehn Löcher auf dem Rücken seiner Jacke. Durch jedes konnte er die grelle Sonne sehen und alle waren von einem Kreis frischen Bluts umrahmt. Die kleineren Löcher zählte Hansen erst gar nicht. 

»Scheiße«, fluchte er leise. Dann biss er die Zähne zusammen und  stand auf. 

»Wenn der Oberstleutnat nach mir fragt, sagen Sie ihm, dass ich verhindert bin. Ich kommen zu ihm, sobald ich beim Sani fertig bin«, teilte er den Soldaten mit, dann machte er sich auf den Weg in die Sanitätsbaracke. Jeder Schritte wurde von einem Fluch begleitet, den er zwischen den Zähne hervor presste.

»Und seine Jacke?«, wunderte sich der Hauptgefreite Yves Schröder, der Jüngste der Gruppe.

UOA Can Celik hob die Jacke hoch und sah sie nachdenklich an.

»Dafür wird er wohl eine Verlustmeldung schreiben müssen«, überlegte er. 

Dann stand auch er auf und machte sich daran, die Jacke auf Hansens Stube zu bringen.

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